15. Oktober ist Blog Action Day on Climate Change. Hier auch!

Über 13000 Blogs greifen heute am Blog Action Day gemeinsam das Thema Klimawandel auf, das viele von uns beschäftigt wie nie zuvor. Das ist gut so, denn in 2 Monaten wird beim Klimagipfel COP15 in Kopenhagen ein neues Abkommen verhandelt, das helfen soll den gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Die Chancen auf ein ambitioniertes, faires und bindendes Abkommen stehen nicht gut, umso wichtiger ist, dass die Forderung danach, von mehr und mehr Menschen unterstützt wird und der politische Druck zunimmt. Soweit zur Logik dieses weltweiten Web-Aktionstages.
Mein Tag in Wien begann mit einer Fahrt durch ein verschneeregnetes Wien zum FusssgängerInnen-Seminar von walk-space. Eine ganz dem zu-Fuss-Gehen und damit wohl dem praktischen Klimaschutz gewidmete Veranstaltung. Im Rückblick trifft mich das totale Fehlen der größeren Zusammenhänge in denen das Thema steht. Das ist natürlich der Klimawandel, aber auch Gesundheit durch Bewegung, ein bessseres Zusammenleben durch direkte Begegnung und und und…
Stattdessen hörte ich Vorträge eines bekannten Verkehrssicherheitsexperten, der sich über den Rückbau von Schutzwegen im Burgenland freute, des Leiters einer Wiener Magistratsabteilung, der telefonierende FussgängerInnen als großes Verkehrssicherheitsproblem einstufte und eines Berliner Verkehrsplaners, der mit seiner problemorientieren Darstellung neben der geballten Selbst-Darstellung der Stadt Wien verblassen musste. Einzig beim Thema Gender Mainstreaming in der Planung leuchete die Möglichkeit einer umfassenderen Sicht der Dinge durch die braven Folien.
Um Missverständnissse zu vermeiden, solche Veranstaltungen sind wichtige Schritte und der heutige erste Tag des Seminars war gut organisiert und besucht. Trotz der wertvollen Beiträge ist Enttäuschung vorprogrammiert, wenn die Anstrengung für eine nachhaltigere Mobilität von Seiten der Politik nicht der Dringlichkeit der Probleme entspricht, zu deren Lösung sie beitragen kann.
Schon bei der Ausstellung fahrrad_in_wien im Frühling hatte ich dieses Gefühl. Die Fahrradaustellung kam auch heute in den einleitenden Worten des Verkehrsstadtrates auf eigentümliche Weise zu Ehren. Schicker meinte, dort hätten die verschiedenen Organisationen “Rad-Highways überall in der Stadt” gefordert. Diese Rad-Highways seien “nicht stadtverträglich”. Ganz abgesehen davon, dass das überhaupt nicht der Realität entspricht – Radhighways, schon gar nicht flächendeckend, forderte niemand – ist es unglaublich wenn ein Verkehrsstadtrat nicht anders kann, als bei einer dem Gehen gewidmten Veranstaltung, den Konflikt mit RadfahrerInnen an die Wand zu malen. Es reicht mir schon wenn er konfilktträchtige Radwege auf Gehsteige malen läßt. DAGEGEN sprechen wir und aus! Und gegen die Flächenverteilung, die der proklamierten Prioritätenreihung - erst FussgängerInnen, dann ÖV und Rad und zuletzt fließender und zuallerletzt(!) ruhender MIV - genau widerspricht.

Stadtrat Schicker beim FussgängerInnen-Seminar von walk-space und AK: Radhighways sind böse.
Zurück zum heutigen Blog Action Day und einige Anregungen dazu. Es gibt in den letzten zwei Monaten vor Kopenhagen einige bemerkenswerte Kampagnen um möglichst großen Druck für ein gutes Abkommen zu bewirken. Tcktcktck und notstupid.org sind Gemeinschaftsprojekte großer NGOs. Der Film “The Age of Stupid” von Franny Armstrong spielt da auch eine tragende Rolle. Ich habe auf der Plattform thinkaboutit über den Film ausführlicher berichtet.
Hier in Wien veranstalten Greenpeace und das Klimabündnis am Freitag um 15.30 eine Kundgebung vor dem Parlament mit anschließenden Konzerten. Schaut doch am Weg zur Critical Mass vorbei!

15% Radverkehrsanteil für Wien? Charta unterzeichnen!



