16.4.: fahr_rad_in_wien eröffnet!

Foto: Fidelius
Schöne Neue Radwelt: Acht Prozent fahr_rad_in_wien sind nicht genug!
Wien wird Fahrradstadt. Das habe ich schon oft gehört. 2009 will das die Ausstellung „fahr_rad_in_wien“ in der Planungswerksatt vermitteln. An der Schau der MA 18 hat neben dem Büro Plansinn auch Alec Hager von der IGF mitgewerkt. Am Donnerstag wurde sie eröffnet.
Anwesend, so ziemlich alle, die seitens der Stadt Wien leitend mit dem Radverkehr zu tun haben, Wiener Rad-AktivistInnen, der nette Kornradl-Bäcker, der mit dem Rad seine Backwaren herbeibrachte und mittendrin Prof. Heiner Monheim, Vordenker und –kämpfer der stadtverträglichen Mobilität. Vor seinem Vortrag waren noch ungeahnte Details aus der Sponti-Juso-Vergangenheit von StR.Schicker zu erfahren. Jetzt wundert mich nix mehr am Ring-Radweg, da er von ein paar Studenten in den düsteren 70ern aufgemalt wurde.
Zum „Radlust für Wien“-Vortrag“ von Heiner Monheim. Motto: Begeisterung vermitteln statt jammern. Er hat mit StudentInnen “Radlust” entwickelt: Methoden der Werbung werden eingesetzt werden, um mehr Menschen Lust aufs Radfahren zu machen. Dabei geht es klar ums Alltagsradeln und um die Kommunikation des intensiven Stadterlebnisses, das mit Radfahren verbunden ist.
Die Idee: Das „Faustpfand“ von (in Deutschland) 80%-Radbesitz der Haushalte einsetzen und diese dazu bringen „es einfach zu benutzen“. Den Bagger brauche man nicht, sondern eine Kultur der Radbegeisterung: „Die Zukunft hängt nicht von neuen Radwegen ab, sondern von der Lust der Leute mit dem Rad zu fahren.“ Bei der Infrastruktur reichen „flexible, einfache Lösungen“ wie Fahrradstraßen, so Monheim.
„Das weitgehend vorraussetzungsfreie Verkehrsmittel Rad hatte in den 1920er Jahren in Wien 40% Wegeanteil. Das Relief und Klima sind heute gleich, die Räder viel besser. Wieso sollten 40% heute nicht möglich sein?“ stellte Monheim zur Diskussion. Dagegen sieht das Wiener Ziel 8% Radverkehrsanteil im Jahr 2015 alt aus.
Nötig sei jedenfalls massive Öffentlichkeitsarbeit „mit dem Ziel: Schaffung einer Radkultur“. Als wertvoll hob die Lichtgestalt der schönen neuen Radwelt das bewegte Bild und da besonders das jährliche Bike Film Festival hervor und Wettbewerbe rund ums Thema Radfahren. Daneben empfiehlt er stadtteilbezogene Maßnahmen wie Stadtteilradpläne, da diese auch das Konzept der Nahmobilität verdeutlichen, wo das Rad besonders punktet und die Menschen dort abholt, wo sie unterwegs sind.
Auch Leihradsystemen misst Monheim große Bedeutung zu: In Paris habe sich die Nutzung der privaten Räder, seit Velib eingeführt wurde, um 50% erhöht. Dieser Erfolg beruhe auf der Konsequenz mit der das System umgesetzt wurde. Ich denke das gilt für viele Anregungen Monheims. Sie können das Radfahren beflügeln, wenn sie mit echtem politischem Willen und den nötigen finanziellen Mitteln effektiv umgesetzt werden. Diese Entscheidungen muss die Stadt Wien nun treffen, bisher gab und gibt es keine breite Kampagne wie sie Heiner Monheim überzeugend vorschlägt.
In der Diskussion wurde dann auch Kritik an der Wiener Verkehrspolitik laut, die auf Mängel der Radverkehrsanlagen abzielte. Heiner Monheim lehnte diese Debatte ab, die seit 30 Jahren nichts bringe. Das führte zu einer absurden Situation, einer Art Diskussionsverbot konkreter Bedingungen für den Radverkehr, denn das könnte ja vom Radfahren abhalten! Ich glaube nicht, dass anwesende RadlerInnen von der These der relativen Bedeutungslosigkeit der Qualität der Radverbindungen überzeugt werden konnten. Oder? Deutlich wurde hingegen, wie dringend hierzulande Möglichkeit fehlen, dem Radverkehr auf der Fahrbahn mehr Platz und Priorität einzuräumen, etwa mittels Fahrradstraßen.
Kurz: 16. April 09, mitreißender Vortrag von Heiner Monheim in der Planungswerkstatt. Viele Anregungen, wie Wien wirklich Fahrradstadt werden kann. Alle da, die das umsetzen können. Bin gespannt, was sie draus machen und da bin ich sicher nicht allein!
Noch ein Tip: Am 23.4., Do, 17.30, findet im Rahmen dieser Ausstellung die Diskussion “Radrowdies, Bleifüße, Blindschleichen” statt – das Konfliktpotential der Verkehrsgruppen wird ausgelotet, mit dabei: IGF-Alec und die ÖAMTC-Akademie!

15% Radverkehrsanteil für Wien? Charta unterzeichnen!




25. Mai, 2009 um 17:17
[...] Etwa am Ende des Plenums zu globalen Perspektiven wie Klimawandel, Gesundheit und Peak Oil als Heiner Monheim nicht mehr zu halten war und einen flammenden Appell an alle richtete, sich nicht mit bescheidenen [...]
16. Oktober, 2009 um 14:44
[...] der Probleme entspricht, zu deren Lösung sie beitragen kann. Auch bei der Ausstellung fahrrad_in_wien im Frühling hatte ich dieses Gefühl. Diese kam auch heute in den einleitenden Worten des [...]