Verkehrs-Himbeere geht an LH Pröll für Helmpflicht!

himbeere4_b800Die Welt ist voller Preise, die good-practice und herausragende Leistungen im Verkehrswesen auf ihrem jeweiligen Gebiet und in ihrer jeweiligen Art würdigen. Auf dem Weg zu einem ökologisch und sozial nachhaltigen Verkehrs- und Siedlungssystem gibt es aber nach wie vor eine Vielzahl an Barrieren, vergebenen Chancen, blanker Ignoranz und anderen evolutionären Bremsen. Nun wurden die Preisträger 2009 gewählt, darunter auch: Der NÖ-Landtag für sein Radhelmpflicht-Gesetz für Kinder! Nominiert wurde LH Prölls Truppe übrigens von uns, der IGF.

Der Verein PlattMobil will jährlich alle jene Sachverhalte hervorheben, die einer Weiterentwicklung in Richtung Nachhaltigkeit im Verkehrsbereich bislang entgegengestanden sind. Damit diese bald behoben werden und noch lange als abschreckendes Beispiel vor einer Wiederholung gleicher- oder andernorts dienen mögen. Der Hauptpreis ging an die Gemeinde Mödling. Hier wurde gegen den Willen der Anrainer eine verkehrsberuhigte Straße nach 15 Jahren für den motorisierten Durchzugsverkehr geöffnet. Selbst über 400 Unterschriften der Betroffenen konnten den Vekehrsstadtrat nicht von dieser für die Anrainer und deren Lebensqualität einschränkenden Maßnahme abhalten

Des Weiteren ergeht der Sonderpreis der Verkehrshimbeere 2009 für Gesetze & Regelungen an die Landtagsklubs der ÖVP NÖ und SPÖ NÖ für den Beschluss der Radhelmpflicht für unter 15-Jährige im Rahmen des niederösterreichischen Sportgesetzes sowie die Aufforderung an den Nationalrat, diese Regelung auch in die StVO ­ und somit bundesweit gültig auf allen öffentlichen Verkehrsflächen ­ zu übernehmen.

DI Harald Frey, Obmannstellvertreter von PlattMobil,  berichtet von der Jurysitzung: „Die Jury würdigt damit zwei Umstände: erstens die geringe Praxistauglichkeit dieses Gesetzes und zweitens die Absicht des Landeshauptmannes und der beiden Fraktionen, eine Maßnahme bundesweit umsetzen zu lassen, die sich schon anderswo als Unsinn erwiesen hat.“

In Ländern, in denen bereits ähnliche Maßnahmen umgesetzt wurden, kam es zu einer Reduktion der Radfahrenden und damit auch zur Verringerung der individuellen Verkehrssicherheit. Der so genannte Effekt der Safety In Numbers (die steigende Anzahl der Radfahrer bedingt eine größere Rücksichtnahme durch KFZ-Lenker) verringert das Risiko des Zusammenstoßes, nicht erst der Verletzung. Frey: „Dieses Gesetz wirkt somit kontraproduktiv und verhöhnt die Zielsetzungen zur Steigerung des Radverkehrsanteils auf Bundes- und Landesebene und zur Attraktivierung des Radfahrens.“

Aufgrund einer hervorstechenden Einreichung hat sich die Jury entschlossen, im Rahmen der Verkehrshimbeere 2009 auch einen Auslandspreis zu vergeben. Dieser geht an die Gemeinde Vodice in Kroatien für die Ausführung des Kreisverkehrs an ihrer Umfahrungsstraße, bei der zwar auf die “Bedürfnisse” der Autofahrer an der Oberfläche großzügig Rücksicht genommen wurde, die Fußgeher jedoch gleichzeitig auf Umwegen durch eine dunkle, enge und unattraktive Unterführung gezwungen werden.

Weitere Informationen über Einreichunterlagen, Bewertungsschema, Jury und die vollständige Charta der Verkehrshimbeere entnehmt bitte der Vereinshomepage.

Alec, 30. November, 2009, Kategorie: Aktionen, Allgemein.

Ein Kommentar zu “Verkehrs-Himbeere geht an LH Pröll für Helmpflicht!”

  1. Ikarus schreibt:
    30. November, 2009 um 11:17

    Ich habe mit den Leuten im Land NÖ lange Auseinandersetzungen gehabt (per mail). Und die sind ja wirklich überzeugt, mit der Helmpflicht etwas Gutes zu tun (mehr Verkehrssicherheit usw.). Dass ihre Ansichten da gegen alle Verkehrsexperten (und besonders Experten für Radverkehr) stehen beunruhigt sie nicht weiter. Das ist wirklich traurig. Kleingeister, die mit ihrer Besserwisserei kleinen Kindern das Radfahren vermiesen. Mit einem völlig bescheuerten und niemals exekutierbaren Gesetz obendrein.

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