Pole Position fürs Rad: Ein versäumter Präzedenzfall?

Die Mündung der Wiener Burggasse an die Zweierlinie Richtung Ring wurde umgestaltet, und auf den ersten Blick mit einem mutigen Schritt in eine radfreundliche Richtung: Eine KFZ-Spur von den drei ohnehin zu eng gedrängten Spuren wurde aufgegeben, die beiden verbliebenen KFZ-Spuren erweitert und dazwischen ein Radstreifen (Mehrzweck) geführt, der nun dem zahlreichen Radverkehr an dieser Stelle Raum gibt. Gut! Aber: Der zweite Blick zeigt, dass hier ein große Chance ausgelasen wurde, tatsächlich für Radsicherheit an der Ampel zu sorgen, denn: Rechts- und linksabbiegende wartende RadlerInnen kommen dem abbiegenden Autoverkehr in die Quere. Hier fehlt eine Bikebox!

Bikeboxen oder “Vorgezogene Ampelhalteflächen für Fahrräder” haben den Sinn, RadfahrerInnen bei roter Ampel das sichere Auftsellen vor dem abgasabsondernden KFZ und das sichere Starten in der Sicht der KFZ-LenkerInnen in die richtige Richtung zu ermöglichen. Das sorgt für Sicherheit und Sichtbarkeit, wie Einsatz in vielen Städten zeigt, und ist obendrein eine günstige Infrastrukturverbesserung. Gerade an der Burggassenmündung wäre diese Box bestens eingestzt, ja sogar Pflicht:  Scharf rechts führt der Radweg entlang der 2er-Linie zum vielbesuchten MQ, links gehts Richtung 8. und 9.Bezirk. Diese Radfahrenden benötigen eine sichere Haltefläche, die ihnen die Möglichkeit zur Einordnung im Anschluss an die nun gut hergestellte Vorfahrspur bietet.  Das benötigt nur zwei Linien und zwei Radsymbole mehr, Magistrat. Pole Position fürs Rad!

Hier die Situation der brandneuen Markierung:

Und so sollte die Situation gelöst werden, wie die von E.P. an den Kummerkasten gesendete Fotosimulation (danke!) bestens zeigt:

(Ohne die Mopeds natürlich, denn die haben auf BikeBoxen nix verloren!)

Alec, 22. August, 2012, Kategorie: Allgemein.

13 Kommentare zu “Pole Position fürs Rad: Ein versäumter Präzedenzfall?”

  1. kp schreibt:
    22. August, 2012 um 12:17

    Klar, dass dort eine Bikebox hingehört (so wie bei vielen Kreuzungen in Wien), aber wieso kommen “Rechts- und linksabbiegende wartende RadlerInnen” dem Autoverkehr in die Quere? Wenn ich dort abbiegen möchte, reihe ich mich auf der entsprechenden Abbiegespur ein. Aufgrund der Breite der Fahrspuren sollte das kein Problem sein. Ich würde hier (eher) kritisieren, dass z.B. keine Rechtsabbiegespur für Radfahrer in die Kreuzung hinein markiert wurde, damit man bei der Kreuzung Platz hat, um vor zu fahren.

    Welche Spur ist eigentlich für die geradeaus fahrenden Autos vorgesehen? Die Linke, wie es sein sollte?

  2. Forp schreibt:
    22. August, 2012 um 17:21

    Ja, hier fehlt ganz dringen eine Bikebox! Danke an die IGF, die die zuständigen Stellen auf so was aufmerksam macht.

  3. FloM schreibt:
    22. August, 2012 um 21:45

    Und wieder wird alles unnötig verkompliziert. Die Bikebox nützt gar nichts, wenn man sich der Ampel bei Grün nähert. Dann gibt es beim Abbiegen ein Kuddelmuddel, da die Autofahrer die Radfahrer in diesem Bereich zu überholen versuchen werden. Ordnet man sich sicherheitshalber mittig auf der Abbiegespur ein, begibt man sich rechtlich auf diffuses Terrain (Nichtbenutzung der Radfahranlage) und zieht den Ärger der Motorisierten auf sich. Dazu ist wieder eine völlig inakzeptable Streifenbreite gewählt worden (geschätzt <1,50m). Radstreifen haben aus meiner Sicht im Kreuzungsbereich nichts verloren. Sie nehmen den Radlern die nötigen Sicherheitsräume und verleiten in enge Lücken einzufahren, die gar nicht ausreichen. Für den Verkehrsfluss und das Klima im Straßenverkehr ist es auch nicht wünschenswert, wenn sich Radler an einer solchen Stelle nach vorne schieben.

  4. joky schreibt:
    22. August, 2012 um 23:09

    @Flo:
    Ich kann dir da nicht zustimmen:
    Bikeboxen sorgen dafür, dass der Radverkehr VOR dem motorisierten Verkehr zu stehen kommt, wenn die Ampel rot ist und zwar möglichst weit davor, damit sie seltener im toten Winkel von den Fahrzeugen stehen.

    Bei Grün ist das auch kein Problem, denn einreihen zum Abbiegen muss ich mich sowieso, Bike Box ist ja nur eine vorgezogene HALTelinie und keine Fahrmarkierung.

    Die Lösung mit einem Radweg zwischen den Abbiegespuren ist natürlich immer heikel, wenn links und rechts die Autos schnell vorbei rasen. Hier ist es aber nicht schlecht gelöst, da idR immer Rückstau herrscht und die Fahrbahnbreite der beiden angrenzenden Spuren sehr großzügig ist – sprich der Radweg wird nicht von anderen mitbenützt.
    Die Breite (vmtl. genau 1.5m) ist leider die MAxx-Standardbreite und aus deren Hirnen auch nicht zu verbannen. 1.8 oder 2m dürften es schon sein ABER spätestens bei 2m ist die Gefahr von Rettungsgassenfahrern wieder gegeben, da müsste man den Radweg besser markieren und zusätzlich rot einfärben. Rote Farbe dürfte aber in Wien wesentlich teurer sein als in den Radhauptstädten…

    Zum “Vorschieben”:
    Fährt man gerade aus, kommt man am Ende der Bellariastr zu einer roten Ampel. Da kann man 80, 50 oder 15 kmh fahren, die ist immer rot.
    Fährt man links oder rechts kommt man auf einen (benützungspflichtigen) Radweg. Also ist keiner irgendwem im Weg.
    Rechtsabbiegende Autos aber müssen oft am Schutzweg halten, weshalb dann auch das zufahren zum Radweg unmöglich ist. Das berechtigt imho. das Vorfahren!

  5. kp schreibt:
    24. August, 2012 um 11:32

    Habe heute dieses neue Highlight der Wiener Radinfrastruktur ausprobiert. Ein bisschen verbockt wurde es schon: Der geradeaus führende Radsreifen geht in die Bushaltestelle bzw. in den Parkstreifen in der Bellariastraße über. Das heißt, man muss sich auf der Kreuzung vom Radstreifen erst recht wieder links einordnen.

    Mit einer Bikebox wärs einfacher, weil man sich (bei rot) dann vor der linken MIV-Spur aufstellen kann, aber das behebt das Problem beim Durchfahren nicht.

    Die derzeitige Lösung ist meiner Meinung nach eine Verbesserung, aber noch immer recht halbherzig.

  6. FloM schreibt:
    24. August, 2012 um 19:24

    Ich habe die Stelle heute auch in Augenschein genommen. Der Streifen ist wirklich viel zu schmal (vielleicht 1,20m-1,30m, definitiv << 1,50m). Neben der schon erwähnten Verschwenkung bei der Geradeausfahrt (gerade gehts in die Busspur und dann aufs Kopfsteinplaster) ist auch das Linksabbiegen für Ortsunkundige nicht ganz ohne. Dabei muss man den Streifen nämlich unbedingt ignorieren (halblegal) sonst steht man rechts vom Geradeausverkehr, der auf der überbreiten Spur auch nicht langsam unterwegs ist. Im Kreuzungsbereich sollte der Verkehr besser nach Fahrtrichtung als nach Fahrzeug sortiert werden. Die obere Einfahrt in den Streifen ist wohl wegen der Baustelle noch nicht fertig markiert. Das Ergebnis bleibt also noch abzuwarten.

  7. Alec schreibt:
    26. August, 2012 um 13:56

    genau, floM, und auch die radwegbenützungspflich ist in diesem fall für laien undurchschaubar und für experten unklar: bin ich nur wegen rechts- oder linksabbiegens von der benutzung des MZW in der mitte entbunden? was ist im unfallfalle mit mitschuld?

    besser wären vielleicht KEINE MZW-markierung sondern rad-leitsymbole mit pfeilen in alle drei richtungen als einordenhilfe, rechtzeitig! und dann bikebox!

  8. kp schreibt:
    27. August, 2012 um 08:51

    @Alec & FloM: Meine Interpretation: Wenn der Radweg/streifen nicht in meine Richtung führt, geht er mich nix an.
    Und das ist meiner Meinung nach das größte Problem mit der in Österreich vorhandenen Kombination aus Radwegbenützungspflicht und Radinfrastruktur: Es ist ohne vorhergehendem Studium eines Planes oft unmöglich zu sagen, ob ein vorhandener Radweg in meine Richtung führt und daher benutzt werden muss oder nicht (man denke z.B. auch an indirektes Abbiegen).

    In der Schweiz (nicht unbedingt das Musterland in Sachen Radverkehr, aber besser als Österreich) gibt es auch eine Benützungspflicht, da sind die Wege aber fast ausschließlich auf der Fahrbahn. Daher ist sofort klar, wie ich mich zu verhalten habe. Auch findet man oft auf MIV-Abbiegespuren Radsymbole mit den entsprechenden Pfeilen. Und es gibt bei einigen Ampeln getrennte Phasen, wenn sich sonst Konflikte zwischen MIV und Radfahrern ergeben würden (z.B. Radfahrer auf Busspur neben Abbiegern). Das habe ich in Wien noch nirgends gesehen.

  9. gh schreibt:
    30. August, 2012 um 11:25

    Warum sollen die Mopeds nicht mitprofitieren? In Barcelona beispielsweise wird man aufgrund des hohen Moped-Aufkommens auch als Radfahrer vom Autoverkehr viel besser wahrgenommen und berücksichtigt, vorgezogene Halteflächen für alle Zweiräder sind dort Standard.

  10. Alec schreibt:
    30. August, 2012 um 13:55

    weil mopeds und v.a. motorräder ein ganz andres beschleunigungs- und lärmverhalten haben und eine gefahr für andre darstellen. die südeuropäische mopedkultur hat diese vorgezogenen halteflächen für motorräder entwickelt, der unterreräsentierte radverkehr nutzt diese dort nur “geduldet” mit. das ist hierzulande anders und wohl auch klar: nicht das energie-ineffiziente verbrennungsknattermoped braucht förderung, sondern das rad.

  11. FloM schreibt:
    30. August, 2012 um 20:21

    Mopeds stören eigentlich nicht besonders und es ist sinnvoll, wenn sie sich vorne einreihen. Da sie deutlich besser als Autos und die meisten Radler beschleunigen, sind sie bei “Grün” für alle rasch verschwunden, was für ihre Sicherheit günstig ist und alle anderen von Lärm und Abgasen entlastet. Daher reihen sich auch jetzt schon Mopeds und Motorradfahrer meist vorne ein und benutzten auch öfters Radstreifen um an der Schlange vorbei zu kommen. Solange das rücksichtsvoll passiert und nicht im Stand dauernd am Gas gespielt wird finde ich das OK. Bei einem Unfall ist der motorisierte Zweiradfahrer ohnehin der Dumme, da er Verletzungen riskiert und dann auch das Recht gegen sich hätte. Dementsprechend benehmen sich die Mehrzahl der Fahrer auch in der Regel recht anständig.

  12. Helmut schreibt:
    5. September, 2012 um 15:07

    Solange Moped und Motorräder an der Kreuzung sich vor der Haltelinie direkt vor das Auto stellen, stört es mich nicht, wenn sie am Radfahrstreifen vorfahren. Wenn sie jedoch am Radfahrstreifen stehen bleiben und mir den Auspuff vor die Nase halten, habe ich wenig Freude mit ihnen. Ich finde man sollte die Vorfahrt am Radfahrstreifen für elektrisch angetriebene Zweiräder erlauben. Ebenso die Benützung von Busspuren. Das wäre zugleich ein Kaufanreiz gegenüber energie-ineffizienten Verbrennungsstinkern.

  13. Michael Schröder schreibt:
    24. September, 2012 um 08:58

    Mann sollte sich einmal bewust werden (bin selbst Radfahrer) das Fahrradboxen nicht die Optimallösung sind. Da Autofahrer und Motorräder eine schneller Beschleunigung als Radfahrer haben und ich und auch alle anderen Fahrradfahre somit nach 5 Metern nach grün werden ein Hindernis und auch eine Gefahr sind für uns selbst wegen undiziplinierter Autofahrer (sie sind mal schneller und stärker).
    Ich würde einmal dafür sorgen das undiziplinierte Fahrradfahrer das ROTLICHT beachten und sich damit aus den Medien nehmen und auch für Ihre eigene Sicherheit sorgen (damit währe ein nebeneinander einfacher).
    Weiters benutze ich als Radfahrer eher Verkehrsberuhgte Radwege damit ich Konflikte vermeide und bin im Schnitt schneller als auf einer Burggasse oder Neustiftgasse wo ich so und so nur der Linie 48A im Weg bin

Kommentar schreiben