IGF & ARGUS zu Ringradweg: Unbedingt Änderungen statt “Slalomfahren mit lebenden Torstangen”!
Der konfliktreiche Radweg um die Wiener Ringstraße ist ein seit Jahrzehnten bekanntes Problem, die Reibungen zwischen Radfahrenden und FußgängerInnen verstärken sich ebenso wie Gefahrensituationen mit Auto und Bim. Die in den letzen Jahren durchgeführte Verdoppelung der Gemischtradwegführung auf der Ringaußenseite konnte naturgemäß kaum Linderung bringen. Angesichts der Radverkehrssteigerungen wird die Situation für Radfahrende und FußgeherInnen immer unerträglicher. Eine Umfrage der IGF unter den TeilnehmerInnen der RadpaRADe 2012 zeigte: Änderung tut not! Daher sagen IGF und ARGUS gemeinsam: Eine komplette Neukonzeption des Rings ist angesagt, eine durchgehende Radverkehsrlösung auf der Fahrbahn in einer verkehrsberuhigten 30er-Zone mit Gegenverkehrs-KFZ-Verkehr muss her.
Die Ergebnisss der IGF-Umfrage bei der RadpaRADe zeigte: Die WienerInnen wünschen sich bestenfalls einen autofreien Ring, jedenfalls vom Fußverkehr getrennte Radverkehrsführung aber am liebsten Radfahren auf der Hauptfahrbahn, wobei Tempo 30 unterstützend gewünscht wird.
IGF und ARGUS fassen diese Vorschläge zu einer gemeinsamen zentralen Forderung zusammen: Alltagsgerechte Radverkehrsführung ist nur möglich, wenn eine durchgängige Befahrung der Ringfahrbahn in beide Richtungen ermöglicht wird, also: Tempoberuhigte 30-km/h Gegenverkehrslösung mit integrierte Radverkehr und stark reduziertem KFZ-Verkehr. Bis endlich der Autofreie Ring kommt!
Als mehrere tausend Radbegeisterte bei der Zweiten Wiener Radparade die Fahrbahn stürmten, nachdem sie für Radfahrende und FußgängerInnen geöffnet wurde, war auch der menschensgroße IGF-RadKummerKasten darunter. Er nahmvor Ort – ebenso wie online – alle Wünsche der anwesenden radelnden WienerInnen für den Ring auf und suchte den frechsten Spruch zum bedauernswerten Status Quo der Ringsituation. Nach der Auswertung der vor Ort eingeworfenen Wünsche sowie online abgegebenen Anregungen zeigte sich ein klares Bild über die Bedürfnisse der Radfahrenden am Ring:
Drei Viertel aller 112 Befragten wünschen sich den Ring als autofreie Prachstraße. Das könnten wir genau so schon stehen lassen, wenn es nicht ein Blick in die wahrscheinlich ferne Zukunft wäre.
Bis es tatsächlich so weit ist, wünschen wir uns rasche, effiziente und Maßnahmen zur Entflechtung des unmotorisierten Verkehrs. Ganz oben (69%) steht der Wunsch nach der besseren Trennung von Fußgängern und Radfahrern. Die Lösung dafür liegt klar auf der Hand: Radeln auf der Hauptfahrbahn (54%), oder auch auf den Nebenfahrbahnen (23%). Damit Autos und Radler auf der Fahrbahn gut miteinander auskommen können ist Tempo 30 allerdings Voraussetzung (26%).
Auch wenn viele verschiedene Wünsche und Realisierungsvorschläge zum Ring kursieren, in einem sind sich alle einig: Es muss sich etwas ändern, der Ring muss seinen Autobahncharakter abschütteln und seinen Beitrag zu Naherholung und umweltfreundlicher Mobilität leisten. “Da ist eine verkehrsberuhigte Gegenverkehrslösung ein erster wichtiger Schritt, der noch dazu kostengünstiger ist als der Ausbau unzureichender Minimalradwege!”, betont IGF-Obmann Alec Hager.
Aus den eingesendeten und eingeworfenen Karten wurde vom IGF-JourFixe ein Siegerspruch gewählt, dessen Urheber somit eine SKS Qualitätsstandpumpe gewinnt. Das Ergebnis: “Radeln am Ring ist wie Slalomfahren mit lebenden Torstangen!” Gratulation, und weiterhin unfallfreies Slalomfahren!
Die besten acht eingesendeten Sprüche: Der Ring ist für mich wie…
- Slalom fahren mit lebenden Torstangen
- geschaffen für das Modell “Bogota” – jeden Sonntag sind Hauptstraßen autofrei.
- der schnelle Umweg um den ersten Bezirk
- ein Naherholungsgebiet durch das eine Autobahn geht.
- a Ringlspül bei dem der Augustin bsoffn war, so kurvig und voller Hindernisse ist der Radlweg.
- ein Slalom neben einer Autobahn.
- eine Fahrradtangente, die nur darauf wartet als solche genutzt zu werden.
- ein stark von Autos befahrener Radweg
Was individuelles Ärgernis ist kann auch zur Anregung an die Zuständigen der Stadt Wien werden, im Sinne der Radverkehrsfreundlichkeit für Abhilfe zu sorgen. Das geht nicht nur mit dem lebenden Kummerkasten bei der RadpaRADe, sondern unkompliziert mit dem Online-RadKummerKasten der Radlobby IGF! Situation beschreiben, Foto dazu, betroffenen Bezirk auswählen – und ab geht die Post direkt an die Zuständigen: lobby.ig-fahrrad.org/radkummerkasten/
Damit nicht nur der Ring einmal so aussieht:

Übrigens war ja Gegenverkehr auf dem Ring schon früher Usus. Nun mal vorstellen mit 50% Radverkehr!













14. Juni, 2012 um 21:49
Man wird wohl noch träumen dürfen:
Ein Ring, der seiner Rolle als Prachtstraße gerecht wird und trotzdem eine vernünftig ausgeführte Achse für den Radverkehr ist. Das Gleiche dann auch für Zweierlinie und Wienzeile,…
Und wenn ich schon beim träumen bin: Vielleicht schafft man es doch, irgendwann in ferner Zukunft vernünftige und einheitliche Lösungen für den Radverkehr zu finden. Derzeit besteht das Wiener Radwegnetz aus Einzellösungen die oft einfach nachträglich dazu gebastelt wurden. Wichtig wäre ein klares, leicht nach zu vollziehendes Konzept, sodass für alle Verkehrsteilnehmer offensichtlich ist, womit sie zu rechnen haben:
Keine Radwege auf Gehsteigen, Radfahrer für Autofahrer immer sichtbar (nicht hinter parkenden Autos o.Ä.) einheitliche Lösungen/Markierungen für das Abbiegen (direkt und indirekt), klare Vorrangregeln und Infrastruktur entlang der großen (Auto-) Verkehrsadern. Die sichere und entspannte Verwendung eines Fahrrades muss auch ohne intensivem Studium des Stadtplanes möglich sein. Wenn ein Besucher nach Wien kommt und innerhalb kurzer Zeit erfassen kann, wie der Radverkehr hier gelöst wird, dann ist dieses Ziel erreicht.
Selbstverständlich sollte das in einer Art und Weise gemacht werden, die den Radverkehr auch entsprechend fördert.
Sehr utopisch? Hoffentlich nicht…
Schöne Grüße,
Konrad
15. Juni, 2012 um 15:42
Ring nur Radweg auf der Fahrbahn, eine Notsprur für Einsatzfahrzeuge und Fiaker. Den FußgängerInnen und TouristInnen gehört wieder der breite Gehweg in der Allee. Nebenfahrbahnen für Lieferverkehr zu den Geschäften. Alles andere würde nicht funktionieren.
Liebe Grüße Barbara
25. Juni, 2012 um 11:48
Ich verlange eine Lösung, die es ermöglicht, mit Kindern (ab 4) zu radeln und zu skaten. Erwachsene brauchen keinen Radweg.
19. Juli, 2012 um 12:25
Minimale aber sofort mögliche Lösung: Mehrzweckstreifen auf dem rechten Kfz-Fahrstreifen der Ring-Fahrbahn markieren. Damit könnten Radfahrer wenigstens in einer Richtung erstmals seit 1986 wieder sicher und zügig auf der Ringstraße fahren. Der gesetzliche Rad-weg-Zwang wäre ausgetrickst, denn auch wer am Mehrzweckstreifen fährt, benützt vorschriftsmäßig die “Radfahranlage”.
19. Juli, 2012 um 12:35
Minimale aber sofort mögliche Lösung: Mehrzweckstreifen auf dem rechten Kfz-Fahrstreifen der Ring-Fahrbahn markieren. Damit könnten Radfahrer wenigstens in einer Richtung erstmals seit 1986 wieder sicher und zügig auf der Ringstraße fahren. Der gesetzliche Rad-weg-Zwang wäre ausgetrickst, denn auch wer am Mehrzweckstreifen fährt, benützt vorschriftsmäßig die “Radfahranlage”.
Übrigens: Von wegen Änderungen am Ring-Radweg. Die gibt es! Leider! Jetzt müssen Radfahrer auch schon auf der Ring-Außenseite (z.B. beim Imperial) am Gehsteig herumblödeln. Der Gehsteig wurde nämlich mit der üblichen Unverfrorenheit zum “Geh- und Radweg” erklärt. Ein Hohn, dass das nach fast 30 Jahren negativer Erfahrungen mit solchen Machwerken und zudem unter einer grünen Stadträtin passiert!
27. August, 2012 um 21:59
[...] Das ist ein eindeutiges Signal, über Vorschläge umsetzungsorientiert nachzudenken, wie sie auch die IGF erhob: RadfahrerInnen auf die Ringfahrbahn! Aber natürlich nur in Kombination mit Verkehrsberuhigung, [...]