Stadt Wien setzte RingRundFiasko um

ringunfallDie Verkehrssituation am Ring ist nicht nur für die stauenden AutonutzerInnen etwas unbefriedigend – gerade die boomenden Radfahrzahlen decken andere Engstellen und Gefahrenhäufungspunkte auf. Diese befinden sich auf dem unsäglichen Ringradweg, der seit 20 Jahren Fußgänger und Radfahrer zusammenpfercht und gegeneinander führt. Ein guter Grund für eine moderne Stadt, die Situation zu verbessern?

Nein, sondern sie zu verschlimmbessern!

Wir haben hier schon über die erschreckend schlechten Planungen für einen sogenannten “RingRundNeu“, einen Radweg auf der äußeren Ringseite, berichtet. Unsere User haben sich für deutlich ambitioniertere und bessere Projekte ausgesprochen. Radaffine Verkehrsplaner haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und der Falter darüber berichtet: Diese Planung ist ein Rückschritt, ein Irrtum, eine Gefährdung von Rad- und Fußverkehr zum Vorteil ungehinderter Autoströme und -parkplatzierung. Dennoch wurde dafür in der Fachkommission Verkehr grünes Licht gegeben!

Aktualisierung Dez09

Die Errichtungs- bzw. Aufpinselarbeiten wurden mit Herbst abgeschlossen. Es ist wie erwartet, und es zeigt erwartbare Folgen: Ein radelnder Bezirksrat kollidiert nachts mit einem mitten auf dem Radweg aufgestellten, unbeleuchteten und nicht reflektierenden Boller, er bleibt verletzt liegen. Und wenig später filmt Viennaonline.at zufällig diese Kollision eines Autos mit einer Radlerin – und v.a. das ausbleibende Schuldbewußtsein des Autolenkers. Hier gehts zum Video.

Verwunderlich, wenn man weiß dass dort ÖAMTC, ARBÖ, der Verkehrsstadtrat, diverse MAs und die Wiener Linien den Ton angeben? Nein. Befremdlich jedoch, dass der einzige Widerspruch von der AK kam! Die mit den Agenden und Bedürfnissen des unmotoriserten Verkehrs be- und vertrauten VCÖ, ARGUS, KfV haben das Projekt nicht nur unwidersprochen durchgehen lassen, sondern sogar teilweise begrüßt. Wie kann das sein? Die aktuelle Detailplanung, die nicht nur der Fachkommission vorlag sondern jetzt auch uns, führt zu unzähligen Gefährdungsstellen und ist per se eine Verbeugung vor dem ruhenden KFZ-Verkehr.

Die Selbstdefinition der Fachkommission lautet: “Die Fachkommission Verkehr zielt darauf ab, sämtliche Verkehrsplanungsprojekte zu prüfen, um den Grundsätzen der Mobilität aller VerkehrsteilnehmerInnen und der Verkehrssicherheit gerecht zu werden.” Hier ist sie diesen Anspüchen keinesfalls gerecht geworden! Zitat der AK zum Thema:

“Die AK spricht sich gegen eine voreilige Realisierung des gegenständlichen Projektes aus, da sowohl hinsichtlich des generellen Konzeptes als auch der Detailplanung noch erhebliche Mängel vorliegen. Die AK ersucht weiters die Führung des Radverkehrs in gegenständlichen Nebenfahrbahnen zu überprüfen.”

Die IGF unterstützt den Standpunkt der AK und ersucht die erwähnten Akteure in der Kommission, die die Chance, ihre fachliche Simme gegen diesen Planungsfehler zu erheben, nicht nutzten, um eine Stellungnahme in der Kommission und hier in diesem Medium. Der VCÖ hat schon reagiert und weist erfreulicherweise auch auf die Schwächen der Planung hin:

“Der VCÖ hat sich für das Projekt ausgesprochen, da es höchst notwendig sei, dass auch auf der jeweils anderen Seite der Hauptfahrbahn endlich eine Radfahreinrichtung geschaffen würde. Gleichzeitig hat der VCÖ in seiner Stellungnahme auf problematische Detaillösungen hingewiesen, die dringend einer Änderung bedürfen. Mit der geplanten Lösung würden laut VCÖ Fehler des bestehenden Ringradweges wieder gemacht werden.”

Wenn das RingRundFiasko einmal aufgepinselt ist, werden wir es ebenso wenig los wie das alte Chaos-Pendant auf der anderen Ringseite! In einem FahrradForum könnten solche Entwürfe niemals Mehrheiten finden…

Alec, 2. Oktober, 2009, Kategorie: Allgemein, Blog.

6 Kommentare zu “Stadt Wien setzte RingRundFiasko um”

  1. MartinM schreibt:
    24. Juni, 2009 um 15:44

    Na was wollens denn machen? Das geht mir hier ein bisschen ab, da steht nur wie schlimm es ist, aber nicht was so schlim ist(und verlinkt ists a net soweit ich sehe ;-)

    Laut chorherr seinem letzten video soll eh eine Fahrban für radler kommen: http://chorherr.twoday.net/stories/5781700/

  2. bsiqu schreibt:
    24. Juni, 2009 um 16:37

    Was sind die offiziellen Stellungnahmen von ARGUS und VCÖ dazu??

  3. peter schreibt:
    25. Juni, 2009 um 11:54

    der ringradweg ist historisch eine grosse sache die vor 20 jahren für die wiener radfahrerinnen errungen wurde und ist immer noch DER radweg in wien.
    in diesen 20 jahren hat sich aber viel verändert und es wäre höchst an der zeit für ein umdenken. nicht mehr absurde radwege sondern wirklich ein bekentniss zu sicherem raum für radfahrerInnen auf der strasse. gerade der ringradweg zeigt deutlich wie gefährlich und absurd radwege sind.
    mühsame querungen von kreuzungen, weiterhin schlangenlinien, keine klare trennung radweg gehweg, weiterhin massive gefahren bei seitenstrassen usw. usf. – das sind imanente probleme die sich nicht innerhalb des nunmehr veralteten radweggedankens lösen lassen sondern nur durch eine neue denkweise.

    darum ist der neu konzipierte radweg nicht in den zahlreichen absurden details abzulehnen sondern generell. es ist zeit für radstrassen und für ein klares und deutliches bekenntnis der stadt wien pro radfahren und für eine reduktion des autowahns.

    ich glaube dass argus, vcö, ig-fahrrad und die zahlreichen radaktivistInnen in wien in diesem sinne zusammenarbeiten und auch ihre bisherigen postitionen immer wieder reflektieren sollten und gemeinsam auf die stadt wien für eine trendwende im wiener radverkehr eintreten.

    wie stehen die etablierten radlobbies zu forderungen wie “radstrasse”, “shared space” eigentlich?

  4. Alec schreibt:
    25. Juni, 2009 um 12:42

    lieber martinM!
    eine radfreundliche lösung wäre zB eine fahrradstrasse in der nebenfahrbahn oder ein verkehrsberuhigter ring mit radspur.

    schön dass auch dir das chorherr-video gefällt. leider ist das ein rhetorischer kunstgriff der phantasie “ich bin verkehrsstadtrad” aber wenn die phantasie wirklichkeit würde… dann gibts hofentlich fahrbahnen für radler.

  5. poidi schreibt:
    26. Juni, 2009 um 00:32

    Am Mittwoch wurde der Antrag im Parlament (im Verkehrsausschuß) vertagt.

    http://www.parlament.gv.at/PG/PR/JAHR_2009/PK0579/PK0579.shtml

    Das ist schon mal eine nicht so schlechte Nachricht! immerhin wurde er nicht abgelehnt!

    ich forder euch hiermit auf, die abgeordneten im Verkehrsausschuß auf unser interesse hinzuweisen!
    http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXIV/A-VE/A-VE_00001/MIT.shtml
    Nächste Sitzung ist am 1. Juli!

  6. IGF – Interessengemeinschaft Fahrrad - 15. Oktober ist Blog Action Day on Climate Change schreibt:
    16. Oktober, 2009 um 14:57

    [...] Veranstaltung, den Konflikt mit RadfahrerInnen an die Wand zu malen. Es reicht mir schon wenn er konfilktträchtige Radwege auf Gehsteige malen läßt. DAGEGEN sprechen wir und aus! Und gegen das Verhältnis der [...]

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