Umfrage: 100% gegen Kinderhelmpflicht!

Im gleißenden Sonnenlicht der aktuellen Frühlingstage sprießen die Umfragen zum Thema Kinderhelmpflicht und deren Ergebnisse wie die Krokusse. Ganz vorne dabei ist wieder einmal das KfV, das nun zur Gesetzesvorlage und der eigenen diese herbeischreibenden Studie auch die passenden Umfrageresultate liefert: 3er-Pack fürs Ministerium? Gerne! “96 Prozent der österreichischen Auto- und Radfahrer sprechen sich für die Einführung der Radhelmpflicht von Kindern aus.” sagt das KfV. ORF und GMX sagten erstaunlicherweise etwas ganz andres – wir setzten uns 100% zum Ziel. Aber dagegen! Und habens geschafft, ganz ohne Manipulation. Dennoch hat das Parlament erwartbarerweise das Gesetz beschlossen.

Wen hatte das KfV bloß gefragt, stellt sich und uns die Frage. Wer stellt sie dem KfV? Ist das eine eigene Zielgruppe, gleichzeitige “Auto- und Radfahrer”? Also Autolenkende auf dem Weg ins Gelände mit einem MTB am Dachträger? Oder wars eher eine Befragung beim montäglichen Brunch in der Tankstellenkantine? Das KfV wirds uns verraten, bis dahin behelfen wir uns mit eigenen Umfragen, oder?! Beim ORF sinds momentan 66%, die GEGEN Kinderhelmpflicht auftreten, bei GMX sind 57% ebenso dieser Meinung. Schafft ihr, liebe IGF-BlogleserInnen, hier alle gemeinsam 100%? Ja, wie sich herausstellte!

“Noch vor dem Sommer soll im Parlament die Radhelmpflicht für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr auf allen Straßen beschlossen werden – ganz im Sinne der Österreicher wie eine aktuelle Studie des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) zeigt… ” Aber geh?

 

Sollen Eltern gesetzlich dazu gezwungen werden, Kinder bis 12 Jahre zum Helmtragen beim Radfahren zu zwingen?

  • Nein. Niemals. Nicht hier, nirgendwo und auch nicht in Schweden, wo zB eine Helmpflicht auch nix bringt und mehr schadet. (100%, 59 Votes)
  • Ja! KfV, Doris Bures und die ÖVP können nicht irren. (0%, 0 Votes)

Total Voters: 59

Loading ... Loading ...

Darüber hinaus gaben laut KfV-Geschäftsführer Thann “87 Prozent der befragten Radfahrer  an, dass eine Radhelmpflicht keine Auswirkungen auf ihre Radfahrhäufigkeit hätte.” Aber wie siehts mit Auswirkungen auf ihre Helmtragefreudigkeit aus, KfV? 😉

 

 

 

Alec, 5. April, 2011, Kategorie: Aktionen, Allgemein.

11 Kommentare zu “Umfrage: 100% gegen Kinderhelmpflicht!”

  1. Eugen schreibt:
    5. April, 2011 um 22:55

    Es ist echt ganz unglaublich. Jahrelang wurden Verbesserungen versprochen – jetzt kommt die StVO-Novelle, und alles was drin ist sind Schikanen und Ärgernisse. Auswandern hilft – Kopenhagen ruft.

  2. Wolfgang Ambrosch schreibt:
    5. April, 2011 um 23:23

    Wer wie in diesem Fall Schlagzeilen-Politik gegen jeden Sachverstand betreibt braucht sich über die Abwanderung der Wähler zu den wenigstens konsequent konzeptlosen Populisten-Parteien nicht zu wundern.

  3. gert schreibt:
    5. April, 2011 um 23:27

    nichts gegen helmtragen – für jung und alt.
    alles gegen “PFLICHT”.
    hoffentlich kommt sonst wenigstens noch was g’scheits raus bei der novelle – övp lässt allerdings jegliche hoffnung darauf verblassen . . .

  4. peer schreibt:
    5. April, 2011 um 23:36

    das KfV ist eine Versicherungslobby und hat doppeltes Interesse daran, dass wenig Leute Radfahren bzw, Radfahrerinnen entrechtet werden. Mehr Autos = mehr Versicherungen und Radhelmpflicht wird bei Unfällen moralische und später rechtliche Schuld auf die RadfahrerInnen abwälzen.

    Anstatt rechtliche und verkehrsplanerische Rahmenbedingungen zur Förderung des Radverkehrs zu setzen, setzt das Ministerium die Forderungen der Lobbys zu einer Abwertung des Radverkehrs um.

    KfV strikes again :)

  5. j schreibt:
    6. April, 2011 um 01:14

    durchaus was gegen helmtragen meinerseits. schon ganz abseits jeglicher pflicht. (jeder helm mehr erleichert die einfuehrung einer pflicht – siehe auch argumentation von vcoe, igf.. – die sich zwar gegen eine helmpflicht aussprachen/-sprechen, aber die bei kindern bereits hohe helmtragequote als argument dagegen verwenden [muessen]).

    ad KfV/versischerungslobbys: da hab ich einfach keine ahnung. aber ich verstehs nicht: die meisten studien belegen ja eben keine schuetzende wirkung von radhelmen (insb. kombiniert mit abschreckender wirkung – weniger radfahren allg., blabla). aber an sich sollten versicherungen doch – egal ob oeffentlich oder privatwirtschaftlich – daran interessiert sein, moeglichst wenig ausgeben zu muessen. wieso geben die dann (nicht nur in .at, sondern auch .de, .ch…) geld fuer helme, helmkampagnen u.dgl. aus, wenn es eh eher den gegenteiligen effekt hat?
    wundert sich foo.

  6. n schreibt:
    6. April, 2011 um 12:17

    ORF und GMX geben schon an wer befragt wurde: “ausgewählte Personen”. Damit dürfte eine Unabhängigkeit nicht gegeben sein. Das Gsatzl ist auch bei beiden gleich, sollte also in Wirklichkeit vom KfV kommen – auch wenn dieser diese Formulierung nicht verwendet.

  7. peer schreibt:
    6. April, 2011 um 16:47

    @j : naja … helmpflicht verringert – das zeigen alle seriösen studien – den radverkehrsanteil, weil es abschreckt.

    das bedeutet im klartext: weniger radfahrerinnen, mehr autos. also mal gut für die versicherungsindustrie

    das zweite was natürlich blöd für die versicherungen ist: wenn ein auto eine radfahrerin abschiesst dann muss die versicherung des autos blechen, weil in der regel der autofahrer schuld ist.
    was am besten gegen dieses ärgernis tun? die radfahrerinnen mitschuldig machen. derzeit weniger rechtlich als moralisch.

    die frage die medial derzeit sehr geschickt und tendenziös gestellt wird, ist da sehr bezeichnend : “warum wollen Sie sich nicht schützen?”

    die frage müsste aber heissen : warum schützt die politik die radfahrerinnen nicht? weil das wäre tatsächlich ein realer schutz und keine augenauswischerei wie ein helm.

    radstrassen
    aufhebung der radwegnutzungspflicht
    erhöhung des radverkehrsanteils
    shared space
    positiv-kampagnen für radfahren und miteinander

    das sind dinge, die radfahren sicherer machen. ein helm ist es nicht

  8. hoefi schreibt:
    7. April, 2011 um 19:52

    witzig wie die anscheinend ewiggestrige politik in österreich, oder die politiker im einzeln sich so wehement gegen den normalen und naturellen lauf der zeit wehren, sie werden verlieren :-)
    sie können noch so blöde dinge beschliessen, wenns eh ned geahndet wird, e wurscht: illegal, legal, scheissegal !
    so wie die roten ampeln bei autofahrern, oder leute über den zebrastreifen hetzten, von autler seite, beides auch ned erlaubt, aber auch ned geahndet, also sollns das gesetz machen, sie werden sich noch anschaun, wenn die einzigen fossilen noch im autositzen , welches demnächst in der minderheit, und die intelligenten per radl unterwegs sind :-)

    sie verlangsamen nun den radleranteil, aber sie können ihn nicht stoppen :-)
    die radwege zu schmal, zu gefährlich für die a nach b radler, der geschwindigkeitsunterschied da so unterschiedlich, wo wird der radfahrer der sich fortbewegen will hinfahren: auf die strasse : ned erlaubt, auch egal, auch ned geahndet, sie könnens ja tun die executive, bei einem radler leicht, aber was tun sie wenn dann da 100 fahren? machtlosigkeit wird dann in deren gesichtern stehen, so wie jetzt schon in den gesichtern der parlamentspolitiker, die es nicht mal schaffen ihr häuschen seit jahrzehnten herzurichten, stümper und was die sagen lässt den denkenden menschen kalt.

    so long politiker, ihr seids zum lachen :-))))))

  9. Peter Moser schreibt:
    23. April, 2011 um 13:53

    Vor einem halben Jahr bin ich der IGF beigetreten, weil ihre Forderungen – im Vergleich zu ARGUS und VCÖ – mir am vernünftigsten und am wenigsten borniert erscheinen. Mit der lauthals hinausposaunten “100%-gegen-Helmpflicht”-Position bekommt meine Wertschätzung jedoch einen gehörigen Dämpfer, denn:
    1) gegen die Helmpflicht schreien, hilft unseren radverkehrsfördernden Forderungen kein bisschen weiter;
    2) ein Helm am Kopf schützt im Fall des Falles das, was unterm Helm ist, besser als kein Helm. Nach dem “Fall” ist die Frage nach Pflicht oder Freiwilligkeit nur noch zynisch und/oder dumm.
    3) die Radlobby-Argumente zum Nein zur Helmpflicht bei den unter 12jährigen geben dem Helm einen viel zu großen Stellenwert bei der Entscheidung, ein Fahrad zu benützen (siehe zum Vergleich die Helmpflicht bei MoFas und Mopeds) und negieren
    4) gleichzeitig einen (zumindest gewissen, anteiligen) pädagogischen Effekt einer Verpflichtung: Das Vernünftige bahnt sich nicht immer und nicht überall den kürzesten Weg zur Einsicht. Aber ein lädierter Radler/innen-Kinderkopf – egal, wer daran Schuld war – vergällt einer/einem das Weiterradeln in Zukunft sicherlich nachhaltiger als ein aufgezwungener Helm.
    5) Es soll auch Väter und Mütter geben, die sich mit einem Hinweis auf die “Vuaschrift” leichter tun, ihrem Kind das Helmaufsetzen beizubringen … (ist zwar nicht mein pädagogisches credo, aber auch nicht mein Kind)
    Und letztlich: Denen, die ihren Kindern – und auch sich selbst – immer schon einen Helm aufsetzten, kommt diese Pflicht-Nicht-Pflicht-Debatte sowieso ziemlich nebensächlich vor. Warum sich die IGF-Lobby in so einer Nebensache derart lautstark “hinauslehnt”, zeugt nicht gerade von politischer Klugheit. Eine „neutrale“ Position einzunehmen und den Helmpflichtvorschlag der Regierung nur zum Anlass zu nehmen, auf viel weiter reichende radfördernde Maßnahmen hinzuweisen, wäre gescheiter gewesen. Schade.

  10. FloM schreibt:
    26. April, 2011 um 21:28

    Hallo,
    ich bin zwar kein IGF Mitglied, möchte mich aber trotzdem ‘mal an einer Antwort versuchen: Die “100% dagegen” sind in der Tat ziemlich plakativ und bezogen auf die Gesamtheit aller Radfahrer sicher auch nicht zutreffend. Richtig finde ich die Positionierung gegen die Helmpflicht aber trotzdem. Sie impliziert, dass der Gesetzgeber Regelungen endlich aufgrund ihrer Notwendigkeit und Wirksamkeit und gesicherter Fakten beschließt und nicht aus dem Bauch heraus oder um den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Lobbies zu treffen. Auch bedarf der Radverkehr (wie auch der übrige Verkehr) nicht immer neuer restriktiverer Regelungen, die oft wenig praxistauglich sind und das Radfahren unnötig verkomplizieren. Manche Radverkehrsregeln dürften selbst Berufskraftfahrern nach aufwendiger Schulung unklar sein. Hier wäre dringend eine Entrümpelung der StVO geboten. Das Helmtragen scheint auf den ersten Blick gerade bei Kindern vernünftig, bietet dieses doch einen gewissen Schutz gegen Verletzungen. Es wird daher auch bereits verbreitet praktiziert. Das Problem besteht aber darin, dass diese Schutzwirkung oft maßlos überschätzt wird (bei lebensgefährlichen Kollisionen häufig z. B. mit LKW dürfte auch der Helm meist nahezu wirkungslos sein). Gleichzeitig werden negative Effekte wie Risikokompentiation beim Fahrer und anderen Verkehrsteilnehmern sowie tödliche Strangulationsgefahren und andere Verletzungsrisiken bei der Verwendung des Helms auf dem Spielplatz kaum thematisiert. Anstatt sich auf Maßnahmen gegen die wirklichen Gefahren des Radfahrens zu konzentrieren oder auch die Vorzüge des Radverkehrs herauszustellen und es so beliebter und damit erwiesenermaßen auch sicherer zu machen, wird mit viel Aufwand ein praktisch wirkungsloses Gesetz geschaffen, das noch dazu ohne Sanktionen daherkommt. Das ist schlicht Verschwendung von Geld und Resourcen und sollte jeden Steuerzahler stören. Hinzu kommt der antiliberale Geist dieser Regelung: Ein Versuch die persönliche Freiheit ohne entsprechende Kompensation durch mehr Sicherheit einzuschränken und die Verantwortung für Unfälle und Verletzungen minderjährigen Radfahrern zuzuschieben, die das Recht auf unser aller Rücksicht haben. Dagegen sollten nicht nur die Radlobbies aufbegehren. Setzt bei Politikern ein kritisches Überdenken dieser Maßnahme ein, so sind auch in der Zukunft sachgerechte Entscheidungen zu erhoffen, die der Sicherheit und Unbeschwertheit aller Verkehrsteilnehmer dienen. Gelingt es hingegen diese Mogelpackung als wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit zu verkaufen, so werden auch in Zukunft politische Entscheidungen vermehrt nach schönem Schein (wieder 100km Radfalle – äh Radweg mehr) oder einfach aus dem Bauch heraus getroffen werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  11. Alec schreibt:
    27. April, 2011 um 09:10

    deine einwände, peter moser, sind natürlich auch gerechtfertigt, gehen aber an der frage, welche gesetzlichen zwangsmaßnahmen ein gesetzgeber gerechtfertigterweise durchsetzen soll, vorbei. das hat floM ja allerbestens zusammengefasst, danke – vielleicht nicht nur mitglied sondern pressesprecher werden? 😉

    zum anlassfall unserer “100% dagegen” umfrage möcht ich nochmal wie oben drauf hinweisen: wir wenden hier ganz transparent das mittel der aufklärerischen persiflage an, gerichtet gegen die 96%-pro-helmpflicht-umfrage des KfV, die ebenso unglaubwürdig und unrepräsentativ ist wie unsere. es aber eben nicht zugibt sondern als politische schützenhilfe für den auftraggeber BMVIT eingestzt wird. eigentlich peinlich für beide.

    und zum helmtragen: nix gegen individuelles entscheiden fürs helmtragen, auch als aufsichtsperson für kids. aber alles gegen unbegründete, kontraproduktive, populistische gesetze. und vorsicht bei radhelmwerbung mit gefahren-szenarien!

    alec, obmann IGF

Kommentar schreiben

You must be logged in to post a comment.