Verbale Gewalt gegen Radfahrer. Mit Umfrage.

In seiner letzten Ausgabe hatte der Text einer Kolumne im kostenlosen Briefkastenblatt “Weekend” (News-Verlag) für staunende Erzürnung unter RadfahrerInnen gesorgt ob soviel unverhohlener Abneigung gegen ihre bloße Präsenz auf der Straße. Der Auto_r hatte dazu aufgefordert, vor “feindlichen  Radlern plötzlich die Türe zu öffnen” oder “kräftig zuzulangen.” Seine Reaktion auf die Proteste: Das sei “Satire”, und die Kolumne der aktuellen Ausgabe würde das geraderücken. Tat sie das? Mitnichten! Nun tun wir das.

Wörtlich hatte Verfasser Werner Christl, betitelt als “Ressortleiter Motornews”, unter der Überschrift Rad versus Auto Tipps, wie auch Sie Radfahrer ärgern können, parat. Nämlich: Wenn ein feindlicher Radler daherkommt, tun Sie so, als würden Sie die Türe öffnen. Das versetzt dem Sportler einen Schock. Bei Ampeln immer dicht an parkenden Autos stehen – so kann sich kein Radfahrer vorbeischlängeln. Hupen ist zielführend … Notfalls aussteigen und ordentlich zulangen. Und nochmals: Türe auf – der Rest erledigt sich von selbst. Welches Verhalten hätte körperverletzende Aktionen wie diese laut Hr. Christl verdient? Rad-Raser mit Vogel-Strauß-Kopf-Haltung, die auf ihr Recht pochen, wenn Sie als Autofahrer rechts abbiegen. Und welches Wissen legt die Basis für solches Gegeifere? Autos sind immer stärker.

(Die komplette Kolumne aus Weekend Magazin Nr. 7., 16./17. April 2010 findet sich hier.)

Klar, dass dieser Wortausbruch schriftliche Reaktionen nach sich zog, die Hr. Christl mit einer Standardantwort abtat, deren Inhalt aber erstaunliches offenbarte: Werner war auf den Kopf gefallen, und hatte sich daraus satirisch zu retten versucht! Mit Erklärungen wie diesen: Zur Beruhigung sei gesagt, dass es sich bei diesem Kommentar um Satire handelt. Satire ist gekennzeichnet durch Polemik und damit auch Einseitigkeit, Parteilichkeit … wollten mit diesem bewusst satirisch verfassten Kommentar die Problematik Radfahrer versus Autofahrer überzogen zur Diskussion stellen, was uns durch viele Rückmeldungen (auch positive!) [positive?!?] durchaus gelungen ist. Es wird auch einen zweiten Teil dieses Kommentars in der nächsten Ausgabe geben, in dem die Autofahrer ins Visier genommen werden – mehr möchte ich Ihnen noch nicht verraten ... Die Intention dieses Kommentars war, eine Diskussion loszutreten. Sie sind ein Teil dieser wichtigen Diskussion.

Mit anderen Worten: Wenn heiße Luft ein Magazin nicht mehr genug füllen kann, zündelt man andernorts, und hofft auf gasförmige Abfälle zur Verwertung durch Ressortleiter. Da ist doch wohl die ressentimentgeladene Seele des Autofahrenden bestens geeignet, immerhin hat sich da einiges angestaut! Aber nein, Hr. Christl ist kein Autonarr, sondern leidgeprüfter Alltagsradler hinter der Maske  eines Schuhmacherklons.

Er beichtet: Nebenbei bemerkt, wurde ich selbst Opfer eines rücksichtslosen Autofahrers, der seine Autotüre ohne zu schauen geöffnet hat, in die ich dann hineingedonnert bin und in weiterer Folge im Krankenhaus landete. Inklusive drei Wochen Krankenstand! Ich wurde  von diesem sogar noch beschimpft! Bin also ein gebranntes Kind! Vielleicht verstehen Sie so den Kommentar besser und lesen auch noch Teil zwei, der eben die Gegenseite reflektieren wird. Das haben wir heute getan, dann leider erkennen müssen dass diese Reflexion eher eine Täuschung war und kommen daher diesem frommen Wunsch nach: Ich würde mich über eine Rückmeldung nach Teil zwei freuen!

Werner Christl schreibt heute nämlich eher schwammig von einer erfreulichen Reaktion auf seinen Kommentar und dass er anregende Rückmeldungen zum Thema gerne annimmt um der Diskussion mehr Raum geben zu können. Dafür hat er eine eigene Email-Adresse eingerichtet: auto-vs-rad@weekendmagazin.at. Also, lasst uns Teil einer Diskussionbewegung sein und ihm zurückschreiben! Aber welchen Inhalts?

Was wirst du Werner Christl schreiben? (Mehrfachnennungen zugelassen): Ich möchte Hr. Christl...

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Aber vergesst nicht, ihm dann auch tasächlich zu schreiben: auto-vs-rad@weekendmagazin.at

PS1: Übrigens hatte auch schon ein Rechtsanwalt zurückgeschrieben, nämlich an die Staatsanwaltschaft, mit der Anmerkung dass die Aufforderung zur Strafe bedrohter Handlungen bzw. die Gutheißung mit Strafe bedrohter Handlungen gem. § 282 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren zu bestrafen ist. Nach dieser Bestimmung ist, wer in einem Druckwerk, das einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wird, zu einer mit Strafe bedrohten Handlung auffordert, mit Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren zu bestrafen.

PS2: Plötzlich geöffnete Autotüren können schwerwiegendere Folgen als fehlgeleitete Kommentare haben: Erst letzte Woche wurde in Münster ein junger Radfahrer dadurch schwer verletzt (Artikel hier). Und hier findet sich eine Liste von RadfahrerInnen, die durch unvorsichtiges Öffnen von Autotüren sogar getötet wurden.

Clinton Miceli (June 9, 2008, Chicago): An SUV driver opened his door in Miceli’s path. Micele hit the door, landed in traffic, and was run over by another vehicle and killed. He was 22 years old.

Alec, 30. April, 2010, Kategorie: Allgemein, Blog.

10 Kommentare zu “Verbale Gewalt gegen Radfahrer. Mit Umfrage.”

  1. j schreibt:
    30. April, 2010 um 23:49

    Drum immer schoen Abstand halten zu sich potentiell oeffnenden Autotueren! Ganz egal, was aus nachfahrenden Autos rausgebruellt wird…

  2. Andrzej Felczak schreibt:
    1. Mai, 2010 um 08:39

    Ich fahre seit 20 Jahren täglich auf der Brünner Straße in die Arbeit und es ist mir schon einige Male passiert, dass Autofahrer mich angehupt haben. Wenn die nächste Ampel es erlaubt hat, habe ich das Fahrrad vor dem Auto aufgestellt und dem Autofaher höflich gefragt ob ich irgendwie behilflich sein kann. Meistens war der Kommentar, ich soll am Gehsteig oder weiter rechts fahren. Darauf hin habe ich dem Autofahrer über die Gesetzeslage aufgeklärt (Sicherheitsabstand, Gehsteigradfahren – er fordert mich zu einer mit Strafe bedrohter Haundlung auf, was selbst strafbar ist) und da manche nicht sofort einsichtig waren, hat sich die Aufklärung über einen Teil der (oder der gesamten) Grünphase gezogen.
    Gegen rücksichtslose Rechtsabbieger hilt die AirZound Drucklufthupe (115 dB), erhältlich im ARGUS-Shop.

  3. Furo schreibt:
    1. Mai, 2010 um 08:46

    Der Autor des weekend-Artikels glaubt offenbar, dass das unreflektierte Nachplappern dummer Stereotypen schon automatisch Satire sei – falsch gedacht! Genau das Gegenteil ist wahr: durch dummes Nachplappern dummer Vorurteile werden die Inhaber solcher Vorurteile nur gestärkt. Dadurch wird nichts gebessert, sondern die Front “wir gegen die anderen” wird nur noch mehr verhärtet. Das führt dann dazu, dass die Straße noch stärker als “Kampfzone” wahrgenommen wird.

    Mein Tipp an den Herrn Kolumnisten: die Satire jenen überlassen, die was davon verstehen. Und vielleicht stattdessen das nächste Mal ausgewogene Tatsachenberichterstattung.

  4. peter schreibt:
    1. Mai, 2010 um 12:26

    ach du liebe zeit,
    oder
    sg. hr. werner christl,

    stimmt es, dass Sie selbst einmal über eine sich plötzlich öffnende Autotür gefallen sind und Wochen im Krankenhaus verbringen mussten?

    Es würde immerhin einiges erklären. Zumindest dass Sie Ihren Aufruf zum bewussten Verletzen und Schockieren von Radfahren als “Satire” bezeichnen.

    Ist es natürlich in Wahrheit nicht, aber das wissen wir ja beide. Ihr Aufruf ist billig, gemeingefährlich und … nennen wirs beim Namen … schlicht und einfach dumm.

    Alle ExpertInnen sind sich einig, dass die Reduktion des Autoverkehrs auf ein sinnvolles Mass das Gebot der Stunde ist. Lebensqualität, Abgase, Gesundheit, Effizienz, Klimawandel, Lärmbelastung, Feinstaub …. die Argumente haben kein Ende.

    Menschen, die Radfahren und sich dabei Ihrer durch die STVO ohnehin mager zugestandenen Rechte bewusst sind, sind also wichtig für diese Stadt. Auch für die AutofahrerInnen. Weniger Stau, weniger Parkplatznot, weniger Abgase, weniger Lärm, weniger Ausgaben für Strassenerneuerungen, weniger Unfälle, mehr Lebensqualität, mehr Spass, mehr Wirtschaftlichkeit … durch mehr Räder und weniger Autos. Das kommt allen zugute.

    Studien welche die Zusammenhänge zeigen sind leicht zu finden … für Leute die nicht auf den Kopf gefallen sind :)

    mfg
    peter pilsl

  5. fritzthecat schreibt:
    1. Mai, 2010 um 14:22

    Sehr geehrter Herr Christl!

    Zu viele Menschen fahren täglich, meist allein in tonnenschweren Autos sitzend, durch eine Stadt, die ebenfalls täglich mit Autos so verstopft ist, dass man nicht einmal mehr mit dem Fahrrad weiterkommt. Angesichts der ungesunden Lebensführung des Grossteils der Bevölkerung, mangelnder Bewegung und daraus sich ergebenden Gesundheits-Problemen, der schlechten Stadtluft und des Verkehrslärms wäre eine Entlastung durch mehr Radfahrer und weniger Autos schon seit Jahrzehnten angesagt, und eine Einschränkung des sinnlosen Resourcenverbrauchs, den man Stadtverkehr nennt, wäre dringend nötig.

    Ihr Artikels ist eine Aufforderung zum Vorgehen gegen jene Personen, die versuchen, den erwähnten Missständen durch Zivilcourage (man braucht Mut, um in deser Stadt radzufahren) ein wenig Abhilfe zu schaffen. Als Journalist haben Sie auch Verantwortung gegenüber den Menschen, nicht nur gegenüber Ihren Geldgebern. Bitte nehmen Sie diese Verantwortung wahr!

  6. panda schreibt:
    6. Mai, 2010 um 15:06

    Soo..Herr Christl!

    Mit Spannung hab ich Ihr versprochenes Kommentar erwartet und was finde ich dann vor..
    ein Kommentar zu E-Autos..was ist passiert..Schwanz eingezogen..eine am Deckel
    bekommen??.. oder fiel Ihnen als “Alltagsradfahrer” nichts “satirischen” zu den AutofahrerInnen ein?
    ..oder soll ich Ihnen da jetzt ein bisschen auf die Sprünge helfen?..na, bitte..

    ..”Liebe AutofahrerInnen..fahrt ruhig weiter in eurer stinkenden Blechbüchsen und verpestet die Luft..
    verbringt Stunde..Tage..eueres Lebens im Stau..ihr dürftet ja nichts besseres zu tun haben..zahlt
    weiter für jeden km fett Spritgeld..und abends fahrt am besten noch mit dem Auto ins Fitnesscenter..
    ganz blad wollt ihr ja dann doch nicht werden..aber lasst die FahrradfahrerInnen in Ruhe..und hupt
    nicht bei jeder Gelegenheit..ihr seit ja nur neidisch..weil ihr nicht voran kommt..da seid ihr aber selber
    Schuld..die RadfahrerInnen können nichts für diese eure Dummheit..übrigens hupen ist in der Stadt
    verboten!”

    From: panda
    To: w.christl@weekendmagazin.at
    Subject: Kommentar “Rad versus Auto”
    Date: Mon, 19 Apr 2010 17:35:49 +0200

    Sehr geehrter Herr Christl!

    Ich durfte mir Ihre Kommentar “Autofahrer-Ra”D”geber – Rad versus Auto” zu gemüte führen.
    Ich war bzw. bin immer noch schockiert. Sie hetzen die teilweise eh schon stark gereizten
    und aggressiven AutofahrerInnen gegen RadfahrerInnen auf. Und Sie halten das für Satire???
    Das ist weit weg von Satire, es ist eine direkte Aufforderung zur Gewalt gegen RadfahrerInnen.

    Sie schreiben als Antwort auf einen Leserbrief, dass Sie selber schon von einer unachtsam
    geöffneten Autotür schwer verletzt wurden und 3 Wochen im Krankenstand waren. Die
    Reaktion vom Autofahrer oder von der Autofahrerin war eine Beschimpfung. Das kann ich Ihnen
    nicht ganz abkaufen, denn wenn Ihnen das wirklich passiert wäre, könnten Sie nicht so einen
    Text verfassen.

    Ich bin schon sehr auf den zweiten Teil des Kommentars, dass angeblich nächste Woche erscheinen
    soll, gespannt. Da sollen ja die AutofahrerInnen in die Mangel genommen werden. Sind Sie dann
    plötzlich Fahrrad-Ratgeber???

    Solche Kommentare führen auf keinen Falls zu einem besseren Miteinander zwischen den verschiedenen
    VerkehrsteilnehmerInnen, im Gegenteil, die AutofahrerInnen fühlen sich in Ihrer Aggressivität noch
    bestärkt, anstatt dass sie sich über jede/n RadfaherIn glücklich schätzen!

    Weniger Autos..mehr Fahrräder..weniger Staus..weniger Lärm..bessere Luft..und und und…

    Eine schockierte Fahrradfahrerin

  7. Peter Abel schreibt:
    7. Juni, 2010 um 10:42

    Herr Christl,

    ich bin schockiert, was für Beiträge Sie schreiben. Wenn das die besten Tipps sind, die Sie Mitmenschen geben, dann unterlassen Sie das Ratschläge geben bitte völlig!

    Wollen Sie eine Anarchie auf der Straße heraufbeschwören? Als ob es davon noch nicht genug gebe. Würde man Autofahrer bei jedem Vergehen rigoros abstrafen, gäbe es fast keine Autofahrer mehr. Gleichzeitig rufen Sie zu schwerer Körperverletzung, Nötigung und dazu auf, den Radfahrern ihre Rechte im Straßenverkehr streitig zu machen.

    Autolenkern wie Ihnen sollte man den Schein abnehmen und dann wegen Nötigung anzeigen, wenn Sie sich wirklich so im Verkehr verhalten. Aber wahrscheinlich sollte hier nur wieder ein Artikel zur Kompensation von viel Wut und Komplexen dienen, während man draußen in der Wirklichkeit dann doch nicht so stark ist.

    Aber an diesem Artikel sieht man mal wieder, was passiert, wenn die Zahl der Darstellungsmöglichkeiten des Wortes jene von Personen übertrifft, die auch etwas Intelligentes zum Sagen haben.

    In diesem Sinne: Unterlassen Sie das Schreiben am besten ganz, bevor noch jemand auf Sie hört!

  8. Christoph Weiss schreibt:
    7. Juni, 2010 um 11:24

    Eigentümer der MotorNews:
    m.ortler@motornews.at
    Feedback hinmailen!

  9. Alec schreibt:
    30. Juni, 2010 um 11:23

    gerichtsurteil wegen “verwendung des autos als waffe”: eine ärztin(!) im “road rage” überfährt willentlich mit mercedes einen mtb-er, der schwer verletzt wird, und erhält dafür 5 jahre haft:

    http://www.sueddeutsche.de/bayern/urteil-in-augsburg-mehrjaehrige-haftstrafe-fuer-rache-fahrt-1.967421

  10. Weekendmagazin – Rätselaufgabe « Wut im Bauch… schreibt:
    6. Juli, 2010 um 08:31

    [...] Erinnerung: Das Weekendmagazin ist genau dieses Format, das auch vor einigen Monaten in einem Glosse für Gewalt gegen RadfahrerInnen aufgerufen hat. Wenn ein feindlicher Radler daherkommt, tun Sie so, als würden Sie die Türe [...]

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